Frauen in Natur und Technik

Ulrike Vogt: Von der Geophysik zur Profilkursleitung „Energie und Umwelttechnologie“ am Gymnasium Süderelbe

NaT: Frau Dr. Vogt, warum wollten Sie Physiklehrerin werden?
VOGT: Das wollte ich eigentlich nicht, jedenfalls zunächst nicht. Zwar hatte ich mir zu Schulzeiten einmal vorgestellt, Mathematik zu unterrichten, aber die Perspektive Schule, Uni, Schule behagte mir nach dem Abi nicht. In einem Studienführer wurde der Studiengang Geophysik vorgestellt, da wusste ich gleich, „Physik der Erde“, das ist es.

NaT:  Was fasziniert Sie so daran? 
VOGT: Der Bezug zu der Welt, auf der wir leben. Das ist super und vergleichbar mit der Medizin: Wir versuchen über das Äußere, die Erdkruste, Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten zu bekommen, ohne gleich tiefe Löcher in das Innere zu bohren. Die Bedeutung der Geophysik zeigt sich im Alltag: Wenn wir nicht wissen, worauf wir leben, können wir auch nicht gegensteuern, bewahren, vorsorgen. Heute will ich die Schüler für die Relevanz etwa der Klimaforschung sensibilisieren und gleichzeitig den Spaß am Experimentieren vermitteln.

NaT:  Das war Ihre Motivation, die Stelle in der Erdöl-Industrie mit dem Platz am Lehrerpult zu tauschen? 
VOGT: Der Anlass, einen Lehrauftrag anzunehmen, war zunächst die Geburt meiner Kinder. Die Forschung im Offshore-Bereich und die Tätigkeit als Geophysikerin in der Industrie lässt sich nur begrenzt mit dem Familienleben vereinbaren. Ich habe aber sehr schnell Spaß am Unterrichten gefunden und das Referendariat für Seiteneinsteiger nachgeschoben. Das war eine harte Zeit, weil ich zwei Jahre lang für drei Fächer, Mathe, Physik und Informatik geprüft wurde, aber es hat sich gelohnt. 

NaT:  Aber Sie sind dann noch einmal als Fachreferentin für Physik in die Behörde gewechselt…
VOGT: Nur mit einer Drittel Stelle. Überwiegend war ich in der Schule tätig. Inzwischen bin ich voll und ganz als MINT-Koordinatorin (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, abgekürzt MINT, Anm. d. Red.) am Gymnasium Süderelbe beschäftigt. Dabei hilft es mir, dass ich die Rahmenrichtlinien so gut kenne. Hier fehlt ein Übergang zur Profiloberstufe. (Die Profiloberstufe ist für uns alle Neuland.)

NaT: Wie unterscheidet sich der Profilunterricht von früheren Leistungskursen?

VOGT: Grundlegend. Wir beginnen z.B. im Physikunterricht mit dem Überbau und reißen ganz viel an: Energie, Kraftwerkstypen, Magnetfelder. Die Themen werden aus der Praxis angeschoben und dann im Unterricht nach dem Spiralprinzip vertieft. Früher hatten wir ein pro Semester einen festgelegten Themenblock.

NaT: Begrüßen Sie die Reform?
VOGT: Ja, weil man konzentrierter und interdisziplinärer arbeitet, sich vom 45-Minuten-Prinzip löst und frei entscheidet, wo die Inhalte am besten vertieft werden. Ich verstehe mich dabei als Lernbegleiterin, die dazu beiträgt, die Gruppe zu dynamisieren, Raum für gemeinsame Erkenntnisse und Erfahrungen zu schaffen.

NaT: Wie viele Mädchen sind in Ihrem Kurs und wie lautet Ihre Botschaft an sie?

VOGT: Es sind sechs Mädchen bei einer Gruppe von 28 Schülern. Es könnten gerne mehr Schülerinnen sein. Als ich anfing zu studieren, dominierten noch ganz klar die Männer in der Geophysik. Heute studieren das mehr Frauen als Männer. Ich stelle zudem immer wieder bei unseren naturwissenschaftlichen Austauschprogrammen fest: Wenn man den Mädchen einen Mehrwert bietet, etwa den fremdsprachlichen Bezug, sind sie voll in den Werkstätten dabei. Meine Botschaft: Spaß und Engagement müssen ganz oben stehen. Sie ziehen Erfolge nach sich.