Von der Physik inspiriert und fasziniert

Jana, 17 und Adrian, 17, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Physik-Profil „Macht der Erkenntnis und Pflicht zur Verantwortung“ vor der Podiumsdiskussion

NaT: Jana und Adrian, was steckt hinter dem Projekt „Energieversorgung im Jahr 2025“? Adrian: Das war eine Projektarbeit parallel zum normalen Unterricht. Wir haben fast ein Jahr lang zwei Stunden in der Woche selbstständig in Gruppen zu vorgegebenen Themen gearbeitet. Die Ergebnisse haben wir dann auf Plakaten festgehalten. Das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, zumal wir das mehrmals überarbeitet haben – es gibt so viele Zwischenplakate, das ist schon irre. Jana: Wir sollten die Projekte auf das Jahr 2025 übertragen. Wir hatten das Thema Energiespeicher von der mechanischen Speicherung über den Energietransport, bis zur chemischen Speicherung und weil das zurzeit noch nicht so ausgereift ist, aber ein echtes Zukunftsthema ist, konnten wir sehr viel dazu schreiben.

NaT: Die Plakate schaue ich mir gleich noch einmal an, aber gibt es von Euch ein Fazit? Adrian: Wir haben uns überlegt, was gibt es für verschiedene Szenarien, wohin kann das führen und was wollen wir. Wir sind am Ende zu dem Schluss gekommen, dass wir regenerative Energien möchten. Aber wir haben auch die Vor- und Nachteile der Braunkohle, der Atomkraft und anderer Energieträger untersucht. Jana: Es gibt aber unterschiedliche Positionen im Kurs und die stellen wir auch heute kurz vor. Um Anreize für die Diskussion zu bieten, überspitzen wir auch teilweise. Etwa wenn wir sagen, CCS, also die CO2 Abspaltung und Speicherung unter der Erde, das geht gar nicht.

NaT: Glaubt Ihr, dass Euch das Thema noch weiter über den Unterricht hinaus verfolgen wird? Adrian: Es ist auf jeden Fall so, dass wir sehr viel gelernt haben. Während ein Großteil der Bevölkerung über die verschiedenen Energieformen leider gar nicht richtig informiert ist, konnten wir uns tatsächlich ein eigenes Bild machen. Das hat uns sehr geprägt. Jana: Ich denke, dass uns das Thema auf jeden Fall weiter verfolgt. Einerseits in PGW etwa beim Thema Brennelementesteuer, aber auch persönlich. Am Anfang waren wir ja Laien, jetzt haben wir das Hintergrundwissen und merken schon, wenn Politiker von Dingen reden, von denen sie eigentlich nichts verstehen. Politische Entscheidungen verfolge ich jetzt viel aufmerksamer.

NaT: Das hört sich sehr politisch an, wie kommt Physik da ins Spiel? Jana: Wir haben uns beispielsweise um Akkumulatoren gekümmert. Da heißt es ja immer, die chemische Speicherung klappt noch nicht, das geht erst in ferner Zukunft. Aber wir haben herausgefunden, wie Katalysatoren verbessert werden können, welche physikalischen und chemischen Weiterentwicklungen es heute schon gibt. Adrian: Um die Themen ausarbeiten zu können, mussten wir das physikalische Hintergrundwissen haben, wie es überhaupt funktioniert. Ich habe mich beispielsweise auch mit Braunkohle-Kraftwerken beschäftigt und wollte wissen, warum der CO2-Ausstoß da so hoch ist. Man hat sich durchgearbeitet, bis man zu dem Fazit kam, was man gut findet und was nicht und welche Möglichkeiten es gibt, bis 2025 zu möglichst viel regenerativen Energien zu kommen. Jana: Ohne das Fachwissen könnten wir gar nicht mit Vattenfall diskutieren. Einfach zu sagen, regenerative Energien sind super, das reicht ja nicht. Wir wissen jetzt durch unser Fachwissen, dass es eng werden könnte bis 2025 ganz auf regenerative Energien zu setzen. Das kritische Hinterfragen setzt Fachwissen voraus.

NaT: Blicken wir erst mal nur auf 2011, die Zeit nach Eurem Abi. Wisst Ihr schon, was Ihr dann machen wollt? Jana: Ich will auf jeden Fall eine technische Fachrichtung und Physik studieren und möchte gerne in der Fahrzeugindustrie oder im Flugzeugbau arbeiten. Adrian: Wenn es nicht Fluglotse wird, wird es bei mir auf jeden Fall in eine technische Richtung gehen. Dann werde ich vermutlich auch als Ingenieur in regenerative Energien einsteigen.

NaT: Ich will Physik studieren, das sagen nicht viele Schulabgänger. Was fasziniert Euch so daran? Jana: Wir haben eine Welt, wo viel passiert, aber kaum einer fragt, warum ist das so, warum funktioniert die Welt so, wie sie funktioniert. Physik ist ein Fach, da liegt nicht alles auf dem Tisch, wie etwa im Sprachunterricht, wo man Vokabeln paukt, sondern wir tüfteln manchmal zwei Stunden lang an einer einzigen Formel. Aber das Interessante daran ist, dass wir selbst darauf gekommen sind. Adrian: Man muss sich von der Physik inspirieren und dann faszinieren lassen. Dann bringt sie auch Spaß!

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