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Innovation auf dem Prüfstand
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 27. Januar 2012 - 17:48
Gelingt der Atomausstieg 2021? Physik-Profil am Friedrich-Ebert-Gymnasium mit neuem Schwerpunkt und Ansprechpartnern bei Vattenfall
Spannungsvolles Knistern im neunten Stock des Überseerings, Nummer zwölf. Hier tagt normalerweise der Aufsichtsrat der Vattenfall Europe AG. Heute sind es Elftklässler vom Friedrich-Ebert-Gymnasium, die sich über Fragen der Speichertechnologie, Stromnetze und Windenergie informieren wollen. Zum Fachvortrag gibt es Getränke und Butterkekse. Letztere verziert mit einem Wohnhaus, Strommast oder einer Windkraftanlage aus Schokolade und einzeln verpackt in Cellophan. Man muss nicht Physikschüler sein, um zu wissen: sobald einer zugreift, knistert es.
Aber das tut dem Interesse am Thema keinen Abbruch. Zumal auch viele inhaltliche Funken überspringen. Etwa wenn die Schüler die Veränderung der Kapazitäten durch Wind und Photovoltaik, „eine Folie aus dem realen Leben“, interpretieren oder das Unternehmensziel von mehr Energieeffizienz hinterfragen: „Ist es für einen Energieversorger nicht besser, wenn die Leute gerade nicht sparen“, will Lukas wissen. „Das ist richtig“, gibt Referentin Anette Polkehn-Appel zu. „Dennoch können wir durch andere Projekte auch mit Energieeffizienz Geld verdienen“.
Zum Beispiel durch das Produkt „Energiecontrolling online“, mit dem Interessenten die Energieeffizienz ihrer Gebäude verbessern könnten. „Wir werden unser Geschäft trotzdem machen, nur auf eine andere Weise“, erklärt Polkehn-Appel, die für die Vattenfall Europe Innovation GmbH tätig ist und den Schülern heute verdeutlichen will, warum ein Energieversorger voll und ganz auf Elektromobilität setzt und in drei Wochen nun endlich die neue Wasserstoffstation in der HafenCity eröffnet.
Aber zunächst macht die Referentin den Paradigmenwechsel in der Energieversorgung deutlich: „Statt großer Grundlastkraftwerke, die rund um die Uhr produzieren, gibt es viele kleine volatile Anlagen, die mal produzieren und mal eben nicht.“ Ob Vattenfall dieser Wandel schon klar war, als Moorburg gebaut wurde, hakt Lukas nach. Polkehn-Appel ist überzeugt, dass man immer innovative Kraftwerke benötigen werde: „Wir müssen Energie jederzeit und ohne Netzeinbrüche bereitstellen.“ Das gehe nur mit Kraftwerken, lediglich die Größenordnung werde sich ändern.
Es ist eine Kombination aus Politik (PGW), Philosophie und Physik, die das Physikprofil am Friedrich-Ebert-Gymnasium ausmacht und die sich auch in vielen Schülerfragen widerspiegelt. Vor zwei Jahren ist das Profil mit dem Schwerpunkt „Kernenergie ja oder nein?“ und dem Kooperationspartner Vattenfall Europe Nuclear Energy angetreten. Heute lautet die Kernfrage „Gelingt der Ausstieg 2021?“ und der Kooperationspartner ist Vattenfall Europe Innovation. „Die Schüler sind bei dieser Frage gespalten“, erklärt Physiklehrer Ulf Berliner. „Die Hälfte meinen, wir schaffen den Ausstieg, die anderen sehen viele Hindernisse“.
Hindernisse politischer und ethischer Art, wenn jahrelange Genehmigungsverfahren und Widerstände vor Ort den Netzausbau behindern. Technischer Art, wenn Windanlagen vom Netz genommen werden müssen, um ein weiteres Absinken negativer Strompreise zu verhindern. Auch um die negativen Strompreise geht es bei dem Austausch mit den Vattenfall Fachleuten: „Warum machen Sie nicht einfach gar nichts mit dem Strom, anstatt noch draufzuzahlen, um ihn loszuwerden“, will Christos wissen. „Gar nichts mit dem Strom machen, das geht nicht.“ Anette Polkehn-Appell erklärt das mit dem Bild einer vollen Badewanne: „Ich kann da nichts mehr reinkriegen und dennoch produzieren die Anlagen immer weiter.“ Um die Netze stabil zu halten, müssen sie auf 50 Hertz gefahren werden und überschüssige Energie am besten zwischengespeichert werden.
Diese Analogie hatten die Schüler bereits im Unterricht unter die Lupe genommen und haben sich weiter damit beschäftigt, wie die Spannung im Netz eingebunden ist, wie gesicherte Netzstabilität funktioniert und wieso sich die Frequenzen dabei verändern. Genau für diesen Praxisanschub des theoretischen Physikunterrichts sei der Besuch bei der Vattenfall AG goldrichtig gewesen, so der Physiklehrer am Abschluss des fünfstündigen Besuchs.
Das haben offenbar viele Schüler genauso gesehen. Am Ende verabschieden sie sich von der Organisatorin Barbara Meyer-Bukow per Handschlag: „Vielen Dank, dass wir bei Ihnen sein durften. Das war eine sehr interessante Exkursion.“ Das zeugt nicht nur von einem guten Benehmen, sondern auch von einem respektvollen Umgang zwischen Profil und Kooperationspartner, die beide mit der Zeit gehen müssen: Beim ersten Profildurchgang war Barbara Meyer-Bukow noch Sprecherin für den Bereich Kernenergie bei Vattenfall. Jetzt repräsentiert sie die Region Hamburg/Norddeutschland in der Öffentlichkeitsarbeit.
Hochschul- oder Kooperationsbericht:










