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Vattenfall Europe Nuclear Energy und Friedrich-Ebert-Gymnasium
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 6. September 2010 - 13:06
Energiefrage bringt Musiksaal zum Schwingen
Das kleine Schwarze, der dunkle Anzug, Sakko und Blazer: wie man sich professionell für eine Podiumsdiskussion kleidet, wissen die Physik-Profilschüler am Friedrich-Ebert-Gymnasium von Anne Will, Frank Plasberg oder Maybrit Illner. Aber dieser Abend gehört nicht dem Fernsehen, er ist real, einmalig, eine Öffnung der Schule nach außen und in die Zukunft gerichtet: „Energieversorgung im Jahr 2025“ heißt das Thema, das die 17jährigen Podiumsteilnehmer mit Vertretern des Energieversorgers Vattenfall diskutieren wollen.
Das ist zumindest das Ziel, aber aller Anfang ist schwer, weiß Jana. Vor der Oberstufenschülerin liegt ein Haufen bedrucktes Papier: „Das sind die wichtigsten Stichworte aus unseren Plakaten“, erläutert die 17jährige, die zusammen mit ihrem Tischnachbarn Adrian das Thema Energiespeicherung untersucht und zu Papier, genauer auf das Plakat gebracht hat. Viel Arbeit sei das gewesen, weil sie es so übersichtlich, informativ und ansprechend wie möglich machen wollten. „Wir haben ja nicht mit Schere und Klebstoff gearbeitet, sondern alle Plakate ausschließlich digital gestaltet.“
Die Vernissage ist der erste Teil der Veranstaltung im Musiksaal des Friedrich-Ebert-Gymnasiums. Der zweite ist die öffentliche Podiumsdiskussion mit den Unternehmensvertretern. Zur besseren Vorbereitung haben sich Jana und Adrian nicht nur Stichpunkte zu den eigenen Plakaten gemacht, sondern auch die Werke der anderen Gruppen durchgelesen und zusammengefasst. „Außerdem haben wir noch andere wichtige Fakten herausgesucht, wie den Wirkungsgrad von Kraftwerken oder den Strommix in Deutschland“, verrät Jana.
Mit knallgelbem Marker hat die Schülerin unterstrichen, was sie auf dem Podium auf keinen Fall vergessen möchte. Eine Art Sicherheitspaket gegen die Ungewissheit ist der Papierstapel: „Wir treffen auf Experten von Vattenfall und haben Angst“, sagt Jana, aber dabei strahlt ihr Lachen sehr viel Zuversicht aus. Respekt, nennt es Mitschüler Adrian. „Wir haben uns zwar gut vorbereitet, aber wir können uns schlecht vorstellen, was da jetzt auf uns zukommt.“
Was sich die Schüler zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen können, auch die Unternehmensvertreter sehen dem Diskussionsabend mit Spannung entgegen – und mit Respekt: „Die Plakate der Schüler zeugen von einem fundierten Fachwissen“, sagt Barbara Meyer-Bukow, Pressesprecherin für den Bereich Kernenergie bei Vattenfall. Ingenieur Dirk Schümann bleibt vor Michaels Plakat zum Thema „Kernphysik“ hängen. „Sauber recherchiert und seriös aufbereitet“, lobt der Leiter der Anlagentechnik.
Aber jetzt bleibt keine Zeit mehr für die Lektüre. Dorothee, die gemeinsam mit Mitschülerin Svenja durch den Abend moderiert, bittet die Vattenfall Unternehmensvertreter sich kurz vorzustellen und übergibt dann an die sieben Mitschüler auf dem Podium: Die Statements der jungen Diskussionsteilnehmer reichen von einer zukünftigen Grundlastsicherung ausschließlich über regenerative Energien bis zu der Forderung nach Verlängerung der Atomkraft. Das eröffnet ein breites Gespräch über den richtigen Energiemix unter Aspekten wie Speicherung, Endlagerung, Wasserstoff, auch im Autokofferraum, oder private Einsparpotenziale.
Die Öffnung für Publikumsfragen stellt noch einmal die Atomkraft in den Fokus. Am Ende der 75minütigen Gesprächsrunde ist das für Jana ein wenig unbefriedigend: „Die Speicherung und regenerative Energien sind unter den Tisch gefegt worden.“ Und auch Adrian hätte gerne mehr gesagt zu seinen Themen. Dennoch finden beide Schüler, das es eine gute Diskussion war: „Wir haben ein breites Spektrum und viele neue Aspekte angesprochen“, sagt Jana.
Auch Profilkurslehrer Ulf Berliner ist mit dem Abend zufrieden, wenngleich sich der Physiklehrer zwischenzeitlich mehr Engagement von seinen Schülern und mehr Steuerung durch die Moderatorinnen gewünscht hätte: „Aber das gilt wohl immer für einen Lehrer: Man will stets die bestmöglichen Schülerleistungen.“ Aber insgesamt sei der Abend gut gelaufen und in jedem Fall eine große Erfahrung für die Schüler.
Diese haben gelernt, dass Moderation so ziemlich die schwierigste Aufgabe bei einer Podiumsdiskussion ist, auf die Anne Will, Frank Plasberg und Co. jahrelang hingearbeitet haben. Zumal es für Schüler mehr als ungewohnt ist, Erwachsenen das Wort zu erteilen, es zu entziehen und zu strukturieren. Dafür haben die Schüler ihr breites Wissen unter Beweis gestellt, sie haben genau zugehört und nachgefragt. Etwa wenn Dirk Schümann den AKW-Störfall im schwedischen Forsmark schnell wieder abtun möchte: „Die nukleare Sicherheit wurde wieder hergestellt.“ „Wieder?“, wirft Melissa ein, “das heißt doch, es gab zwischenzeitlich ein Sicherheitsproblem!“
Die Wahrheit herauszuarbeiten und den Wert einer Quelle von der Meinung und Manipulation zu trennen, sei das schwierigste bei der Projektarbeit gewesen, meint die Physikschülerin. Aber nicht nur bei der Quellenkritik sind die Gymnasiasten ein gutes Stück vorangekommen. Sie wissen jetzt auch, dass zu viele Experten auf dem Podium die Diskussion schwieriger, eine klare Fragestellung sie dagegen leichter macht. Oder wie es ein Publikumsteilnehmer formulierte: „Wenn Sicherheit nicht diskutierbar ist, verstehe ich nicht, warum ihr dazu eine Podiumsdiskussion veranstaltet.“
Beiträge
Jana, 17 und Adrian, 17, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Physik-Profil „Macht der Erkenntnis und Pflicht zur Verantwortung“ vor der Podiumsdiskussion
Organisationen
Niemals Stillstand: Ingenieure warten und verbessern AKW-Technologie ständig


