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Schüler fragen Forscher
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 27. Oktober 2011 - 9:59
200 Schüler und Schülerinnen aus 15 Oberstufenprofilen zu Gast im KörberForum, „Forscher fragen: Strom aus der Wüste“
Ein Physiker, der auszog eine große Menschheitsfrage zu lösen. So führt Martin Meister, Chefredakteur der Zeitschrift Geo International und Moderator der Reihe „Forscher fragen“ im Körber-Forum seinen Gast ein: Es ist Gerhard Knies, Ideengeber und Mitgründer der Desertec Foundation, die den steigenden Energiebedarf der Welt mit Strom aus der Wüste decken will. Die Grundlage: Die Sonne liefert viel mehr Energie als die Menschheit benötigt, allein 130 Quadratkilometer Sahara reichen aus, um Europa zu versorgen. Sofern es gelingt, den darüber erzeugten Strom von menschenleeren, sonnenreichen Gegenden in die Ballungszentren der Welt bringen.
Knies spricht vom Wüsten- und Technologiegürtel, die gemeinsam das „Desertec-Tandem“ bilden: „Wenn die Regionen zusammenarbeiten, haben beide etwas davon.“ Technologieexport gegen Stromimport, aufblühende Wüstenstaaten, die mit dem verdienten Geld weitere Technologie aus Europa importieren. In erster Linie soll aber der Strom die Wüstenländer selbst versorgen. Der Teil, der über baumdicke Leitungen über oder genauer unter dem Mittelmeer nach Europa kommt, ist eine Art Grundsicherung: „Wind und Sonne wackeln in Europa. Daher brauchen wir einen Lückenbüßer und das sollen möglichst nicht die Kohlekraftwerke sein“, sagt der promovierte Physiker.
Die Technik der Solarthermie, die Desertec nutzen will, funktioniert nämlich auch nachts: Parabolrinnenkraftwerke beispielsweise konzentrieren das Sonnenlicht mit Spiegeln auf eine Brennlinie, eine Rinne, die in der Mitte ein mit Wasser oder Öl gefülltes Rohr aufweist. Die Energie der erhitzten Flüssigkeit wird dann konventionell über Turbine und Generator in elektrischen Strom umgewandelt. Ein Teil der Wärme kann aber auch in Salzlösungen oder Sand gespeichert und immer dann abgerufen werden, wenn die Sonne nicht scheint.
Wie Knies von der Teilchenphysik auf das Thema Energieversorgung gekommen ist, will Martin Meister wissen. „Ein Julklapp-Geschenk hat mich auf die Spur gebracht“, erinnert sich der 73jährige an das Buch „Energiesysteme der Zukunft“, das er mit zwölf Jahren von einem Klassenkamerad überreicht bekam. „Wer ist hier zwölf oder dreizehn?“, fragt Knies ins Publikum. Eine ungewöhnliche Frage für einen Montagabend, kurz nach 19.00 Uhr. Aber es sind erstaunlich viele junge Leute unter den Zuhörern. Nur sind diese nicht mehr 12, sondern zwischen 15 und 18 Jahre alt: allein 15 Oberstufenprofile sind im Körber Forum mit rund 200 Schülern und Schülerinnen vertreten.
Viele von ihnen haben im Vorwege von ihrem Fragerecht Gebrauch gemacht und eine Mail an Martin Meister geschickt. Aber längst nicht alle Fragen kann das gut einstündige Gespräch beantworten. Daher ergreifen die Schüler am Ende ganz souverän das Wort: Julius vom Friedrich-Ebert-Gymnasium fragt beispielsweise nach der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, wenn sich der Strompreis durch die neue Technik verfünffacht – und zeigt sich am Ende mit der Antwort enttäuscht: „Nur die Verfünffachung wurde dementiert, aber meine eigentliche Frage ist unbeantwortet geblieben.“
Mitschüler Lukas interessiert die konkrete Zeitplanung: „Wann könnte das Projekt zum Tragen kommen?“ „Wenn wir ranpowern, kann der Übergang in 40 bis 50 Jahren geschafft sein“, antwortet Knies. Dann sollte 85 Prozent der Elektrizität „sauber“ erzeugt werden. Julius und Lukas stünden dann bereits kurz vor dem Rentenalter und engagieren sich möglicherweise so wie Knies weiterhin für die Energiefrage: „Wir beschäftigen uns mit alternativen Energien und planen dazu eine Podiumsdiskussion“, sagt Julius. Wenn es denn so weit ist, will der 16jährige darauf achten, dass alle Publikumsfragen auch wirklich beantwortet werden.
Nachzuhören im DRadio Wissen, 2. November, 20.05 bis 21.00 Uhr








