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Aus meinem Profil schlagen alle einen technisch-naturwissenschaftlichen Weg ein
Verfasst von Andrea Mohr am 30. August 2011 - 10:04
Interview mit Anton Semjonov, Abiturient des Matthias-Claudius-Gymnasiums, Profilkurs "Mercedes, VW und Co."
Zwei Jahre nach der Einführung der Profiloberstufe fragte die Körber-Stiftung Anton Semjonov, Abiturient am Matthias-Claudius-Gymnasium, nach seiner Meinung: Was hat ihm sein Profil gebracht, welche Bilanz zieht er?
Das Interview mit Anton Semjonov führte Sebastian Rehbach (SR) von der Körber-Stiftung.
SR: Zuerst einmal gratuliere ich dir zu deinem hervorragenden Abitur. Nach zwei Jahren naturwissenschaftlich-technischem Profil, wie sieht dein Fazit aus? Ich hab ja das Profil »Mercedes, VW und Co.« mit den Schwerpunktfächern Chemie und Physik gewählt und meine Erwartungen wurden vollkommen erfüllt. Ich hätte mir vielleicht ein bisschen mehr Bezug zum Thema Auto gewünscht, aber wir mussten ja auch die Grundlagen der Fächer abdecken. Aber die vielen Exkursionen haben das dann ausgeglichen, in denen viel experimentiert und praktisch erlernt wurde.
SR: Was war vor zwei Jahren ausschlaggebend bei deiner Profilwahl? Ausschlaggebend war für mich als aller erstes einmal meine Schule und die Profilangebote dort, weil ich auf keinen Fall die Schule wechseln wollte. Außerdem war bei mir schon vollkommen klar, dass ich ein naturwissenschaftliches Profil besuchen und später Naturwissenschaften studieren möchte. Letztendlich kamen dann zwei Profile in Frage, wovon »Mercedes, VW und Co.« das thematisch interessantere für mich war. Das andere Profil kam dann auch gar nicht zu Stande, weil es nur vier Leute wählten. Das war also ziemliches Glück bei mir. Viele Mitschüler fühlten sich durch die Profilwahl aber ziemlich eingeschränkt.
SR: In deinem Profil habt ihr mit außerschulischen Partnern zusammengearbeitet und dabei einige Exkursionen gemacht – was hat dir das gebracht? Bei Mercedes z. B. haben wir Versuche zur elektrostatischen Auf- und Entladung durchgeführt. Wir hatten uns bereits im Vorfeld mit dem Thema beschäftigt und gelernt, wie es zur elektrostatischen Aufladung kommt und was Ladungstrennung ist. Ich fand die Exkursionen eigentlich immer sehr gut und hilfreich, weil man sich viele, im Unterricht eher langweiligere Sachen danach besser merken und vorstellen konnte. Zum Beispiel bei der Laserphysik. Im Unterricht war das alles trocken und mit den Wellengleichungen konnte kaum jemand etwas anfangen und im DESY konnten wir selbst mit Lasern rumspielen. Oft war auch bei den Exkursionen das Equipment besser und die Versuche damit anschaulicher. Außerdem haben wir gleich einen Einblick in die Arbeitswelt erhalten und die Firmen haben uns gesagt, was wir bei ihnen studieren oder welche Ausbildung wir machen können und welche Qualifikationen wir dafür bräuchten.
SR: Und gab es auch Sachen, die du nicht so gut in deinem Profil fandest? In meinem Profil eigentlich nicht, das würde ich auf alle Fälle weiterempfehlen. Es ist jetzt auch schon zum zweiten Mal zustande gekommen. Aber was ich grundsätzlich nicht so gut fand, war die Unterscheidung zwischen erhöhten und grundlegenden Kernfächern. Zum einen haben viele das zweite erhöhte Kernfach, das jeder wählen muss, einfach nach dem Prinzip des kleineren Übels gewählt. In meinen Englisch- und Mathekurs saßen deshalb sehr viele Leute, die mit den Fächern eigentlich nichts am Hut hatten und den ganzen Kurs aufgehalten haben. Im Vergleich zu den alten Leistungskursen sind auch die Gruppen in den erhöhten Niveaus wesentlich größer. Früher saßen manchmal ja nur 12 Leute im Kurs und jetzt durchgängig über 20, so dass man dann natürlich auch mit dem Stoff nicht so schnell durchkommt. Wir waren zwar auch in unserer Profilstufe 25 Leute, aber da war das kein Problem. Es haben ja alle die Fächer nach ihrem Interesse gewählt und man hat schon gemerkt, dass die Leute mit Spaß dabei waren.
SR: Wie bewertest du die Profiloberstufe im Vergleich zum alten Leistungskurssystem? Die Profile machen Sinn, weil man sich dadurch schon mal grob in eine Richtung festlegen kann und bestimmte Fächerkombinationen vorgegeben bekommt. Bei den Leistungskursen stelle ich mir das viel schwieriger vor, weil man sich seine Oberstufenrichtung selber zusammenstellen muss. Besonders jetzt mit G8 wäre das sicherlich noch schwieriger, weil einem ja die Vorstufe fehlt, die zur Orientierung dienen soll und einem hilft zu wissen, was man später machen will. Deswegen find ich die Profile schon besser. Aber die Auswahl der erhöhten und grundlegenden Niveaus in den Kernfächern find ich – wie gesagt – nicht so gut. Es wäre vielleicht besser, wenn man seine Profilfächer hat und sich dann seine anderen Fächer als Grund- und Leistungskurse dazu wählen könnte.
SR: Wie geht es jetzt für dich weiter nach dem Sommer? Ich werde im Herbst den Studiengang General Engineering Science, kurz GES, an der TU Hamburg-Harburg beginnen. In der 10. Klasse fand ich Chemie noch sehr interessant und ich dachte mir, dass ich das mal auf alle Fälle studieren möchte. Aber in der Profiloberstufe hab ich dann festgestellt, dass das doch nicht so mein Ding ist. Einfach zu viel »Trial and Error«. Physik fand ich viel spannender und insbesondere die Elektrotechnik, die ich jetzt auch studieren werde.
SR: Und wie ist das bei deinen Klassenkameradinnen und -kameraden? Aus meinem Profilbereich schlagen alle einen technisch-naturwissenschaftlichen Weg ein und auch die meisten aus den anderen Profilen bleiben bei ihrer Richtung. Es gibt nur ein paar Einzelfälle, die jetzt etwas komplett anderes machen.
SR: Anton, wir wünschen dir viel Glück und Erfolg bei deinem Studium!
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