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Ein Modul schlägt Wellen
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 6. Januar 2012 - 11:31
Die Tutoren Matthias Kronauge und Joachim Wilharm über die Zusammenarbeit mit Profilschülern im Rahmen des NaT-Moduls Wellen
Matthias Kronauge (28) hat Elektrotechnik mit dem Schwerpunkt Nachrichtentechnik studiert und promoviert jetzt in dem Bereich Automobil-Radar. Joachim Wilharm (26) ist diplomierter Informatik-Ingenieur mit dem Schwerpunkt Informations- und Kodierungstheorie. Seine Promotion dreht sich um die Selbstorganisation in der mobilen Kommunikation. Beide Diplomingenieure haben 15 Physik-Profilschüler vom Friedrich-Ebert-Gymnasium in einem dreitägigen Projektpraktikum betreut. Wie ist das gelaufen, wollte die NaT von den jungen Doktoranden wissen.
NaT: Herr Kronauge, Herr Wilharm, Sie haben das Projektpraktikum mit den Oberstufenschülern vom Friedrich-Ebert-Gymnasium konzipiert und umgesetzt. Wie sind Sie auf die Aufgabenstellung gekommen?
Wilharm: Die klassischen Aufgaben eines Radars lauten: Ich möchte wissen, wie weit ist mein Ziel entfernt, unter welchem Winkel tritt es auf und wie schnell bewegt es sich. Aus diesen drei Fragestellungen haben wir drei Projekte gemacht, nämlich genau die Geschwindigkeitsermittlung, die Abstands- und die Winkelermittlung.
Kronauge: Ultraschall ist dabei so etwas wie der Modellversuch für das Radar. Das Radar macht das mit Radiowellen. Wir haben mit Ultraschall gearbeitet, weil das einfacher zu handhaben ist und man dennoch alle Effekte sichtbar machen kann.
NaT: Das ist offenbar sehr gut gelaufen…
Kronauge: Es waren alle Schüler sehr motiviert. Selbst diejenigen, die das nicht auf Anhieb verstanden haben, haben es am Ende sehr gut hinbekommen. Es hat alles funktioniert.
NaT: Wie erklären Sie sich die hohe Motivation?
Kronauge: Ich denke, das war eine Abwechslung zum Schulalltag; nicht nur Theorie, sondern praktische Umsetzung. Dies hier sind ja die Ingenieurswissenschaften, die es in der Schule so nicht gibt, mit einem Radarauto im Keller und einem direktem Bezug zum Produkt. Wenn ich weiß, wofür das im täglichen Leben verwendet wird, will ich das auch ganz genau verstehen, jedenfalls mehr, als wenn es nur um einen abstrakten physikalischen Effekt geht.
Wilharm: Man zieht sofort einen Nutzen daraus. Das Experimentieren auf diesem Level ist in der Schule zudem schwer möglich. Der typische Versuchsaufbau sieht da eher so aus: Der Lehrer macht es einmal vor, vielleicht kommen auch noch ein, zwei Schüler nach vorne, aber es ist mehr eine Gesamtübung. Der Schüler sitzt nicht selbst vor der Aufgabenstellung und muss sich nicht selbst ausprobieren.
NaT: Wie lief der Praxistag ab?
Wilharm: Wir haben erst eine Sicherheitseinweisung gemacht und dann gezeigt, wie man ein Kabel abisoliert, wie man es bezinnt und tatsächlich auch anlötet. Die Schaltungen hatten wir jeweils schon vorbereitet, weil das sonst zu aufwändig und fehleranfällig gewesen wäre. Aber die wichtigen Verbindungen haben die Schüler selbst hergestellt und sich reihum am Löten geübt.
Kronauge: Das war schon anspruchsvoll: Zwei Betreuer für 15 Schüler, die das vorher noch nie gemacht hatten. Zumal wir ja nur Hinweise auf den Lösungsweg gegeben haben, aber nicht gleich die ganze Lösung servieren wollten. Das war somit zeitintensiver.
NaT: Wie fanden Sie das Niveau der Schüler?
Kronauge: Ich fand das sehr gut. Wir haben ja schon beim ersten Termin ein paar Vorbereitungsaufgaben gerechnet und ich hätte nie gedacht, dass sie so gut damit klarkommen. Vor allem von der Qualität der Präsentationen war ich schwer begeistert.
Wilharm: Die Schüler haben gezeigt, dass sie die technischen Inhalte tatsächlich verstanden haben und konnten das logisch richtig auch ohne Folie wiedergeben.
NaT: Was hat Sie persönlich bei der Studienfachwahl motiviert?
Kronauge: Ich habe schon im Physik-Leistungskurs eine Facharbeit zum Thema Nachrichtenübertragung mit Radiowellen geschrieben. Ich weiß, es klingt immer etwas albern, aber ich finde die Technik dahinter echt faszinierend: Man hält ein Handy in der Hand und spricht mit jemanden, der auf der anderen Seite der Welt steht. Das ist alles andere als selbstverständlich und hat mich für das Studium motiviert. Radar ist dann nur die Fortsetzung dieser Faszination: Man kann aus elektromagnetischen Wellen, die man weder sehen, schmecken, hören noch fühlen kann, Sensoren bauen, die Objekte lokalisieren.
Wilharm: Ich hatte auch Mathe und Physik Leistungskurs und interessierte mich für ein Studium der Informatik. Noch spannender fand ich dann die Verbindung der Informatik zu den Ingenieurswissenschaften, für die ich nach Hamburg gekommen bin. Hätte es an meiner Schule schon solche Veranstaltungen wie die mit dem Friedrich-Ebert-Gymnasium gegeben, wäre ich vermutlich gleich auf die Nachrichtentechnik als Schwerpunkt gekommen und hätte mir den Umweg über die Informatik gespart. Heute beschäftige ich mich mit Mobilfunk und das ist sehr, sehr spannend.
Kronauge: Das hört sich jetzt so an, als wenn der schulische Schwerpunkt auf Mathe oder Physik eine notwendige Voraussetzung für das Studium ist. Das ist nicht so. Es gibt Vorkurse, die alles wiederholen, was man in der Schule in Physik und Mathe gelernt haben sollte. Bei wem das nicht so ist, der steigt halt neu ein. Es ist alles nur eine Frage von Interesse und Motivation.
NaT: Wir wollen es aber auch nicht schönreden. Das Studium ist schon mit Anstrengung verbunden, oder?
Wilharm: Man studiert ja auch nicht nebenbei. Aber man wird an einer frühen Stelle abgeholt, gerade in der Mathematik und kann das auch ohne Bestnoten schaffen. Natürlich muss man auch Zeit dafür investieren, aber wenn man das gerne mag, was wir hier machen und die Zusammenhänge gerne verstehen möchte, dann geht das auch.
Kronauge: Man muss schon leidensfähig sein, das stimmt schon. Ich war auch mitten im Studium total unmotiviert und fragte mich nach dem Sinn. Da habe ich dann ein Fachpraktikum gemacht und gemerkt, das ist genau das Richtige. Ich hatte einfach nicht mehr gesehen, wozu das gut ist, was ich da gelernt habe. Der Anteil an Projektpraktika hat inzwischen im Studium zugenommen. Das ist auch gut so.
NaT: Warum haben Sie sich nach dem Studium noch entschlossen am Institut zu verbleiben und eine Doktorarbeit dranzuhängen?
Wilharm: Man kann hier im Institut sehr vielfältige und breite Erfahrungen sammeln, das Wissen aus dem Studium erweitern und das dann hoffentlich später als Entwicklungsingenieur eines Unternehmens zum Einsatz bringen.
Kronauge: Man hat hier am Institut sehr viele Freiheiten und kann sich intensiver mit Dingen beschäftigen, als es in einer Firma möglich ist, die ja gewinnorientiert arbeiten muss. Außerdem ist ja auch die Lehre eine sehr interessante Erfahrung. Ob so wie heute mit Schülern oder sonst mit Studierenden, dadurch dass man Sachen möglichst einfach erklärt, bekommt man selbst auch ein anderes Verständnis der Thematik.
NaT: Danke, dass Sie sich Zeit für das Gespräch genommen haben.









