Initiative NaT
Projekte
Schulen
Unternehmen
Hochschulen
Medien
Suche
Zwei Welten, zwei Perspektiven
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 27. Juni 2011 - 17:44
In sieben Schritten zur erfolgreichen Kooperation
Wenn eine Kooperation zum Erfolgsmodell wird, blickt man gerne darauf zurück. Deshalb hat Anne-Kristin Zumwinkel auch bereitwillig „in der Historie gekramt“, wie die Jungheinrich Personalreferentin das Durchforsten von Mails mit dem Betreff „Initiative NaT“ nennt. Die ersten stammen bereits aus dem Jahr 2007. Da hatte NaT-Geschäftsführerin Sabine Fernau die Personalerin, die damals noch Anne-Kristin Knufinke hieß und das Hochschulmarketing verantwortete, für die Idee der Profilpartnerschaft begeistert.
„Ja, da müssen wir etwas tun. Wir können uns als Hamburger Traditionsunternehmen nicht der Verantwortung entziehen“, beschreibt Zumwinkel ihre erste Reaktion, bei der sie ihren Kollegen Michael Freiherr von Forstner hinter sich wusste. Zusammen mit dem Leiter der Produktplanung erstellte Zumwinkel eine Präsentation: „Wenn wir das richtig machen wollen, gesellschaftliches Engagement am Standort Hamburg zeigen, müssen wir unseren Vorstandsvorsitzenden dafür gewinnen, das war uns schnell klar.“
Auch wenn zu jenem Zeitpunkt noch überhaupt nicht klar war, wie die Kooperation mit den Gymnasien Oberalster und Heilwig aussehen und welcher Aufwand da auf den Hersteller von Flurförderzeugen zukommen würde. Dennoch: das Thema Nachwuchsmarketing in die Schulen zu verlagern, sei auf jeden Fall richtig, befand Hans-Georg Frey. Der Vorstandsvorsitzende der Jungheinrich AG unterschrieb nicht nur den ersten Kostenvoranschlag, er war auch bereit, als Schirmherr der Kooperation nach innen und außen aufzutreten.
Mit diesem Auftrag im Gepäck machte sich Anne-Kristin Zumwinkel an das „Operative“. Als erstes sorgte sie für eine klare Struktur: „Über meinen Tisch laufen alle Anfragen, ich koordiniere alles Organisatorische von der Werksführung bis zum Bewerbertraining.“ Das kommunizierte die neue NaT-Schnittstelle nicht nur an die Schulen, sondern auch im Unternehmen selbst, im Norderstedter Werk und innerhalb der Zentrale. „Ich kann nicht an eine Produktlinie in Norderstedt herantreten und Ingenieure für eine Werkführung anfordern, wenn die Hintergründe gar nicht bekannt sind.“
Zum Kernteam gehörte neben von Forstner auch bald Entwicklungsingenieur Ralf Wetegrove: „Wir benötigten einen Technikfreak, der komplexe Themenfelder einfach erklären kann.“ Und der zugleich von den Schülern nicht weit entfernt ist: Wetegrove programmiert in seiner Freizeit Lego Mindstorms Roboter. Während die Ingenieure zunächst noch Ideengeber im Hintergrund blieben, sorgte Zumwinkel für Effizienz: die Inhalte sollten für beide Gymnasien identisch sein. „Mir war von Anfang wichtig, dass die Schulen daran selber reifen, sich vernetzen und uns am Ende im Idealfall gar nicht mehr brauchen.“
Beim ersten Treffen im Norderstedter Werk war von diesem Geist der Zusammenarbeit allerdings noch nichts zu spüren. Für die Erinnerung daran benötigt Zumwinkel nicht mal ihre Mails. Das Bild von den zwei Welten, die da aufeinander prallten, ist auch so noch präsent: Hier das Jungheinrich-Team, das Arbeiten in engen Zeitplänen gewohnt war und so schnell wie möglich Konzepte erwartete. Dort die Lehrer, die jahrelang die Theorie über die Praxis gestellt hatten und selbst noch nicht wussten, was eine Profiloberstufe beinhaltete.
„Wir haben zu starr gedacht“, sagt Zumwinkel heute selbstkritisch. Das Unternehmen hing an der Idee, jeweils einen Gabelstapler in den Schulen aufzustellen, die Schulen lehnten das mit Hinblick auf die Traglast ab. Wie überhaupt viele Ideen aus dem Jungheinrich-Team mit Hinweis auf den Lehrplan abgelehnt wurden, während das Unternehmen andererseits viele Wünsche der Lehrer, etwa nach Robotertechnik ausbremste: „Dazu fehlten uns einfach die personellen Kapazitäten.“
Auch ohne dies waren der Prozess der gemeinsamen Themenfindung und die Verankerung der Kooperation im Unternehmen aufwändig. Bis beim fünften Treffen der Knoten endlich platzte und klar wurde: „Wir bauen das Modell eines Staplers, herunter gebrochen an einem Fahrzeug der Juniorlinie, also einem deichselgeführten Flurförderzeug und stellen das beiden Schulen zur Verfügung.“
Zum Durchbruch beigetragen, da ist sich die Referentin heute sicher, hat auch eine offene Kommunikation: „Wir haben auch die Zusammenarbeit selbst zum Thema gemacht, dass wir immer wieder Input geben, die Anspruchshaltung hoch ist, aber selten ein positives Feedback oder ein Dankeschön kommt.“ Nach dem ersten Schweigen entstand ein gutes, klärendes Gespräch, denn auch die Lehrer fühlten sich nicht richtig anerkannt: „Die hatten das Gefühl, dass wir ihnen vorschreiben wollten, wie es geht.“ Zwei Welten, zwei Perspektiven: „Das war ein Lernprozess für beide Seiten.“
Aber einer, der sich gelohnt hat. Das Jungheinrich-Profil war nicht nur eines der ersten Hamburgs, das vertraglich geregelt war. Es hat zudem Maßstäbe gesetzt. Etwa durch einen passwortgeschützten Ordner auf dem Unternehmensserver, zu dem die Lehrer Zugang haben, der alle relevanten Informationen enthält und den Austausch erleichtert. „Heute lebt das perfekt.“ Ein Lehrer stellt ein Arbeitsblatt in den Ordner, Ralf Wetegrove schaut noch einmal drauf, die Kollegen modifizieren und tauschen sich nach der Unterrichtseinheit aus.
Der gut gefüllte und frequentierte „shared folder“ ist ein Zeichen dafür, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Jetzt auch ohne Anne-Kristin Zumwinkel, die zum Jahresanfang von der Personalentwicklung in die operative Personalbetreuung gewechselt und das NaT-Projekt an ihren Nachfolger Sebastian Müller übergeben hat. „Das ist jetzt gut etabliert, das läuft.“
In sieben Schritten zur erfolgreichen Kooperation:
- Verankern Sie die Kooperation im Unternehmen von Anfang an und sichern Sie sich die Unterstützung von ganz oben.
- Sorgen Sie für eine klare Struktur mit einem Ansprechpartner und einer möglichst übersichtlichen Zahl von Gesprächspartnern – Ihrem Kernteam.
- Machen Sie den Austausch so einfach wie möglich: Informationen können von allen Beteiligten über einen geschützten Ordner auf dem Unternehmensserver ausgetauscht werden.
- Versetzen Sie sich gelegentlich in die Rolle des anderen.
- Sprechen Sie Frustrationen und Enttäuschungen direkt an.
- Machen Sie einen Meilensteinplan: Was sind die fixen Termine im Jahr, wo sich Schule und Unternehmen begegnen werden, verbunden mit welchen Zielen.
- Sorgen Sie für positives Feedback. Das gilt auch für die Schulen: Ob da irgendwann mal ein Schüler im Maschinenbau oder gar in dem Kooperationsunternehmen landet, ist sehr vage. Was die Unternehmen motiviert, ist die Rückmeldung, dass die Schüler begeistert von dem Termin zurückgekehrt sind und ein herzliches Dankeschön.
Hochschul- oder Kooperationsbericht:








