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Ich wollte immer den Überblick behalten
Verfasst von NaT am 31. Juli 2009 - 20:39
Interview mit Annette Bock (33), Diplomandin Informatik-Ingenieurwesen an der TUHH
NaT: Annette Bock, Sie haben sich nach dem Abitur für den damals noch ganz neuen Bachelor-Studiengang „Allgemeinen Ingenieurwissenschaften“, kurz AIW entschieden. Das ist nicht gerade typisch weiblich. Was hat Sie dazu motiviert? Ich wollte nicht studieren, was alle studieren. Nicht Jura, nicht BWL und nicht fürs Lehramt. Ich hatte mit Mathe und Physik LK eine Neigung für technische Fächer und die AIW boten einen sehr interessanten interdisziplinären Ansatz. Die Spezialisierung auf eine Chipentwicklung ist nichts für mich. Ich wollte immer den Überblick behalten.
NaT: Nach dem Bachelor haben Sie auf den Diplomstudiengang Informatik-Ingenieurwesen gewechselt. Warum? Im Grunde kommt keine Disziplin mehr am digitalen Informationsaustausch vorbei und dieser Studiengang macht das zum Thema. Damit ist der Studiengang viel breiter aufgestellt als Außenstehende vermuten: Ich habe mich für den Schwerpunkt Konstruktion, Fertigung und Logistik entschieden und mich etwa mit der Frage beschäftigt, wie sich die Route eines Paketlieferservices intelligent planen lässt.
NaT: Aber das ist doch eine Fragestellung der Betriebswirtschaft… Ja, auch, aber wir Ingenieure beherrschen sowohl die Software als auch die Hardware, um ein sinnvolles Navigationssystem aufzubauen – mit Mathematik und Informatik als Werkzeuge. Dabei schauen wir immer häufiger über den Tellerrand unserer Disziplinen. In meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich beispielsweise mit der Vermarktung logistischer Knoten. Das hat ganz viel mit Marketing zu tun.
NaT: Was würden Sie Abiturienten raten? Sich in der Fülle immer neuerer Studiengänge zu orientieren, ist bestimmt nicht einfach. Wer technisch interessiert ist und sich einen breiten, wachsenden Arbeitsmarkt sichern will, sollte sich unbedingt die Ingenieurwissenschaften genauer ansehen. Da ist das Arbeitsfeld hinterher viel größer, als das Studium vermuten lässt. Und gerade für Mädchen könnte doch die Verbindung aus Konstruktion und Design spannend sein. Nicht zu vergessen: Ingenieure sind Problemlöser und daher auch für Unternehmensberatungen interessant.
NaT: Was wollen Sie selbst nach dem Studium machen? Logistikkenntnisse sind in Hamburgs Wirtschaft durchaus gefragt. Aber ich möchte am liebsten an der Universität bleiben. Die Verbindung zwischen Forschung und Lehre reizt mich: Man hat immer wieder mit neuen wissenschaftlichen Fragestellungen zu tun und steht gleichzeitig in Kontakt mit jungen Leuten. Das hält auf jeden Fall jung.