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Logistik lebt, Logistik bewegt
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 9. August 2010 - 13:01
Diplomingenieur Wolfgang Albrecht, Geschäftsführer PSI Logistics GmbH über sein Engagement für den Nachwuchs
Wichtig ist vor allem das Image. Wenn ich von Lehrern fordere, sie müssten mehr für den Ingenieurberuf werben, dann heißt es: Dafür haben wir keine Zeit, wir engagieren uns schon in der Theater AG, der Band oder im Schulchor. Ich habe überhaupt nichts gegen Kultur, aber ich würde mir mehr Raum und Begeisterung für Technik an den Schulen wünschen.
NaT: Herr Albrecht, was verstehen Sie unter Packmitteloptimierung? Im Schnitt ist jeder LKW mit einem Drittel Ladung Luft unterwegs - für die Logistik ist das unnütz und für die Umwelt schädlich. Wir arbeiten daran, die Ladung intelligenter zu organisieren, weniger Verpackung und mehr Inhalt in Umlauf zu bringen und damit LKWs einzusparen.
NaT: Das ist auch das Thema des Oberstufenprojektes, das Sie gemeinsam mit dem Gymnasium Rahlstedt durchführen. Warum engagieren Sie sich neben Ihrer Geschäftsführertätigkeit so für den Nachwuchs? Ich bin ja auch für den VDMA tätig. Im Verband haben wir beschlossen, anstelle der ständigen Klagen und Reden über den Mangel an technisch versierte Absolventen, zu handeln: Wir wollen dafür sorgen, dass mehr junge Menschen ein Ingenieurstudium aufnehmen und die Zusammenarbeit mit der NaT ist dafür ein gutes Beispiel.
NaT: Was muss Ihrer Ansicht nach noch geschehen, damit es mehr und besser qualifizierte Naturwissenschaftler gibt? Das fängt schon in der Schule an: Wir müssen besser transportieren, dass unsere Gesellschaft technikgetrieben ist und vom Export modernster Maschinen lebt. In Schülergesprächen werde ich schon mal nach meinem Gehalt gefragt. Ich vermittele dann, dass man sehr gut von der Logistiktechnik leben kann, aber wichtiger als die nackte Zahl sind doch die Chancen: Wer als fertiger Ingenieur auf den Arbeitsmarkt kommt, trifft auf mindestens zwei, drei freie Angebote. Das kommt bei den Schülern an, weil sie die Geschichte von den Hochschulabsolventen kennen, die dreißig Bewerbungen und mehr schreiben müssen.
NaT: Die guten Berufsaussichten sind doch schon lange Thema. Offenbar genügt das nicht allein, um mehr Nachwuchs zu gewinnen… Nein, natürlich ist. Wichtig ist vor allem das Image. Wenn ich von Lehrern fordere, sie müssten mehr für den Ingenieurberuf werben, dann heißt es: Dafür haben wir keine Zeit, wir engagieren uns schon in der Theater AG, der Band oder im Schulchor. Ich habe überhaupt nichts gegen Kultur, aber ich würde mir mehr Raum und Begeisterung für Technik an den Schulen wünschen. Aber immer noch gilt die Ausbildung zum Ingenieur als trocken und schwer…
NaT: … und das stimmt nicht? Sicher ist das Studium anspruchsvoll, wie jede Ausbildung, die zu einer verantwortungsvollen Tätigkeit führen soll. Aber es ist nicht langweilig und vor allem hat man in dem Beruf mehr mit Menschen zu tun als etwa in typischen Büroberufen. Nehmen Sie etwa den Vertriebsingenieur, den Projektmanager oder Schulungsleiter: sie alle führen Menschen, kommunizieren und beraten. Software anpassen und konfigurieren, das macht nur ein Drittel unserer Arbeit aus. Für den Löwenanteil sind weiche Faktoren gefragt.
NaT: Dann stimmt auch das Bild vom schweigsamen Informatiker im abgedunkelten Kämmerlein nicht? Ich habe mal spaßeshalber den Begriff „Programmierer“ bei der Google Bildersuche eingegeben und Dutzende von hornbebrillten Männern vor Pizzapappen und Bildschirmen präsentiert bekommen. Solche Leute werden Sie bei uns nicht finden.
NaT: Worauf achten Sie bei der Einstellung? Wesentlich ist der Lebenslauf, auch bei den Absolventen. Die können zwar naturgemäß noch nicht so viel Berufserfahrung vorweisen, aber im Auslandsaufenthalt belegen, dass sie sich auch in neuen Umfeldern zurechtfinden oder im Praktikum Berufsorientierung verdeutlichen.
NaT: Was empfehlen Sie Schülern, denen ja die Zeit für mehrwöchige Praktika fehlt? Hineinschnuppern in die Berufe und Betriebe kann man auch schon in einer Woche oder auch an einem Tag, dann möglichst viel mitnehmen und Fragen stellen. Die meisten Unternehmer nehmen sich gerne Zeit für die jungen Leute, wenn man sie darum bittet. Außerdem sollten die Jugendlichen sich so früh wie möglich in Projektarbeit, Zeitmanagement und Teamwork üben. Ich vermisse selbst bei Hochschulabsolventen die Fähigkeit, strukturiert und im Zeitplan in Gruppen zusammenzuarbeiten.
NaT: Mehr Zeitmanagement und Präsentationstechnik im naturwissenschaftlichen Unterricht? In Kooperation mit anderen Fächern, wie es die Profiloberstufe vorsieht macht das sicher Sinn. Der herkömmliche naturwissenschaftliche Unterricht vermittelt oft die mathematischen und technischen Grundlagen. Das ist gut und richtig, aber das begeistert niemanden. Deshalb möchte ich den Schülern gerne vermitteln, wozu Technik gut ist und habe die Rahlstedter Oberstufe in das Materialwirtschaftszentrum von Kühne und Nagel geführt. Da kann sich jeder selbst von der Dynamik der Logistik überzeugen, die unser Leben so bestimmt: Die Südfrüchte im Supermarkt oder das T-Shirt aus Asien in der richtigen Größe und Farbe zum Kunden verschickt – das ist Logistik pur.
Hochschul- oder Kooperationsbericht:
