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Schlaue Leute braucht das Land!
Verfasst von Sabine Fernau am 29. März 2011 - 13:21
Eltern sollten Mut vermitteln, eigene Ideen zu verfolgen. Und auch mal loslassen. Wenn nur die Eltern Fragen zum Studium stellen, dann stimmt etwas nicht.
Nat: Herr Professor Mackens, an Ihnen kommt so leicht kein Student der TUHH vorbei. Wie zufrieden sind Sie mit den Matheleistungen der Studienanfänger? Es ist ganz schwer, dazu etwas zu sagen, weil das gestufte Studiensystem zu neuen Anmeldestrategien führt: Viele Kandidaten bewerben sich an mehreren Universitäten, vor allem die Motiviertesten, die auf jeden Fall loslegen und sich einen Platz sichern wollen. Die dürfen wir in Zukunft nicht mehr an andere Hochburgen des Ingenieurwesens verlieren und müssen bei der Studienplatzvergabe noch schneller, bei der Nachwuchskräftebindung, etwa durch gezielte Stipendienvergabe noch besser werden. Aktuell ist mein Eindruck allerdings schon, dass das Niveau sinkt.
Nat: Woran liegt das? Die Gründe sind vielschichtig und verlangen eine genaue Analyse. Auf jeden Fall ist der Weg, den wir jetzt mit der Initiative beschreiten der richtige: Weg von der reinen Mathematik, hin zur Anwendung, denn davon hängt die Zukunft unserer Wirtschaft ab. Ganz so wie die VDI Nachrichten im letzen Jahr titelten: Schlaue Leute sorgen für Wirtschaftswachstum und 25 Punkte mehr im Pisatest sind das beste Konjunkturprogramm. Wir müssen deutlich machen, dass es sich lohnt, sich dafür ein wenig mehr ins Zeug zu legen. Mit einem „weiter so wie in der Schule“ kommt man an der TU jedenfalls nicht weit.
Nat: Womit denn? Wer selbstkritisch mit sich, seinen Fähigkeiten oder Bequemlichkeiten ins Gericht geht, ist eingeladen, bei uns vorbeizuschauen und eine Art Eignungsgespräch zu führen. Dabei werden nicht Mathe- oder Physikkenntnisse beleuchtet, sondern die richtige Einstellung zum Studium. Ein Ingenieurstudium ist ein hartes Stück Arbeit und der Bachelor ist verdammt kurz. Da kann man sich nicht noch lange umsehen, da muss man von Anfang voll konzentriert dabei sein.
Nat: Das klingt ja fast nach Abschreckung…Nein, wer dafür geeignet ist, der schafft das auch.
Nat: Und wer ist für ein Studium an der TUHH geeignet? Wer eine gute Mischung aus Disziplin, Intelligenz und Vorbereitung mitbringt. Höchstleistung und ein Übermaß an Trainingspausen passen einfach nicht zusammen. Dagegen bilden Leistungsbereitschaft und Ingenieurstudium ein Paar und das hat Zukunft.
Nat: Zukunft dreht sich immer schneller. Woher nehmen Sie diese Sicherheit? Alle Statistiken, Hochrechnungen und die gesamte wirtschaftliche Entwicklung gehen in diese Richtung: Ingenieure, Mathematiker und Physiker gehören zu den Mangelexemplaren. Das gilt übrigens auch für den Mathelehrer. Aber genau vor diesen Ausbildungen fürchten sich Eltern, weil sie nicht mithalten können.
Nat: Wie können Eltern denn ihre Kinder unterstützen? Eltern sollten Mut vermitteln, eigene Ideen zu verfolgen. Und auch mal loslassen. Wenn ein Vater mit seinem volljährigen Sohn zu mir in die Sprechstunde kommt und nur der Vater Fragen zum Studium seines Sohnes stellt, dann stimmt etwas nicht.
Nat: Eine letzte Frage: wie sind Sie zur Mathematik gekommen? Aus Mangel an Alternativen. Ich hätte gerne Kybernetik studiert, aber der Studiengang war damals ganz neu und noch sehr biolastig. Ich habe dann erst mal mit Mathe angefangen und bin gleich durch die erste Klausur gefallen. Das hat meinen Ehrgeiz geweckt, es mir und allen anderen zu beweisen. Heute fühle ich mich zwar immer noch nicht als Mathematiker, aber wenn ich Schülern dabei helfen kann, Mathe nicht mehr so schlimm zu finden, bin ich zufrieden.

