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Funkenflug erwünscht: Azubi führt Schülerinnen
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 24. Mai 2011 - 19:30
In Kooperation: Lufthansa Technik und Margaretha-Rothe-Gymnasium
Ob der Funke von der Technik zur Faszination wohl überspringt? Auf jeden Fall hat Navaron Westley sich das fest vorgenommen. Der Auszubildende im zweiten Lehrjahr hat eine Mission: Vier Schülerinnen soll er durch die Werkshallen der Lufthansa Technik führen, Einblicke in die Wartung und Ausbildung geben, eine Fragehaltung wecken und diese beantworten. Keine leichte Aufgabe für jemanden, der sonst hauptsächlich bohrt, fräst oder feilt. Navaron ist angehender Fluggerätmechaniker mit dem Schwerpunkt Fertigungstechnik und von seiner Ausbildung absolut überzeugt: „Ich arbeite gern mit den Händen.“ Vor allem für so aufregende, leistungsstarke Maschinen und Materialien, wie sie die Hamburger Basis der Lufthansa Technik bereithält.
„Kennt ihr euch aus mit Flugzeugen, etwa mit den Bautypen?“, fragt der Guide in dunkelblauer Arbeitskleidung seine jungen Gäste: Nicht wirklich, gestehen Sonia, Sabba, Elly und Alex. „Aber wenn ein A380 vor euch steht, erkennt ihr den?“ Nein, auch nicht. Navaron verzieht keine Miene: „Ganz einfach, das ist die Maschine mit zwei Stockwerken.“ Ach so, okay, lachen die Mädchen etwas verschämt. Dabei müssen sich die Schülerinnen vom Margaretha-Rothe Gymnasium keinesfalls verstecken: Ihr Team hat im Physikprofil das beste Luftschiff gebaut und ist damit eine Stufe weiter gekommen in Sachen „Daniel Düsentrieb“, dem Technikwettbewerb der Hamburger Schulen. „Die endgültigen Ergebnisse gibt es aber erst im Juni“, erklärt Sonia.
Die 17jährige leitet die Physik-AG in der Mittelstufe und interessiert sich auch sonst für Technik, aber Flugzeuge und ihre Funktionsweise waren bisher in der Schule kaum Thema. „Wir haben uns lediglich mit Luftströmungen beschäftigt.“ Das soll jetzt anders werden. Die Gruppenführungen durch Auszubildende ist der Start in die Kooperationspraxis mit Lufthansa Technik. Die Idee dahinter erklärt Physiklehrer Patrick Stüver, der selbst eine Führung begleitet: Auszubildende begegnen den Schülern auf Augenhöhe, können sich leicht in die Interessen und Fragen der Schüler hineinversetzen und erwerben durch die Präsentation selbst zusätzliche Schlüsselqualifikationen.
Allerdings ist das mit der Augenhöhe nicht wörtlich zu nehmen: Navaron ist gut einen Kopf größer als die vier Schülerinnen und fünf Jahre älter. Das verdient auf jeden Fall Respekt: „Und womit sind Sie gerade beschäftigt“, möchte Sabba wissen. „Nicht Sie, sondern du“, korrigiert der Azubi und führt die Gruppe zur Beantwortung der Frage in die Lehrwerkstatt: Da steht nicht nur ein unverkleidetes Triebwerk zu Anschauungszwecken, da schrauben, feilen und nieten an die fünfzig, überwiegend männliche Blaukittel an unterschiedlichen Bauelementen herum: Dass alle im Stehen arbeiten, fällt den Margaretha-Rothe-Schülern ins Auge: „Wie viele kommen durch“, fragt Sonia nach den Abbrechern.
„Bisher ging in meinem Jahrgang alles glatt“, sagt Navaron und erzählt, was er hart findet: Wenn der Ausbilder in der Prüfung mit dem Hammer einen Fehler „einbaut“, den die Auszubildenden dann finden und lösen sollen. Ein Fehler ist übrigens schon der allerkleinste Kratzer unter der Sitzschiene oder ein Nietkopf, der herausschaut: „Ihr müsst bedenken, wie schnell so ein Teil fliegen kann.“ Bei 900 Kilometer pro Stunde und Gegenwind entstehen sonst kleine Luftwirbel, die das Flugzeug negativ beeinflussen können.
Für die angehenden Lufthansa Techniker bedeutet das: Sorgfalt, Akribie und Pflichtbewusstsein sind gefragt. „Wir haben jetzt noch einen Lehrgang, wo wir Kleinbauteile selber fertigen, dann kriegen wir nur noch Großbauteile“, erzählt Navaron. Gerade die Arbeiten an der gerade mal zwei Millimeter dicken Außenhaut seien extrem kompliziert: „Ein Fehler kommt verdammt teuer.“ Und ist verdammt mühsam auszumerzen, wie Sonia mit Blick auf einen zerstörten Flügel feststellt: „Lohnt sich da noch, das auszubessern?“ Einen großen Ausschnitt zu machen und mit einer Verbundkonstruktion aus Kohlefaserstoffen und wabenförmigen Stützkernen, Honeycom genannt, auszustopfen, wie nach einem Vogeleinschlag auf einem gelben Tragflügel geschehen? „Das ist eine Frage an die Ingenieure“, meint der Guide.
Dass es sich bei den Flugzeugschecks, der Wartung und Reparatur um ganz besonders verantwortungsvolle Aufgaben handelt, möchte Navaron vermitteln und er tut dies mit Herzblut: „Beim Klebelehrgang habe ich für meine Freundin ein Herz aus Plexiglas gefeilt und mit Flugzeugkleber ins Auto geklebt“, erzählt er freimütig. „Nach drei Stunden ist das Teil wieder runtergekommen, habe wohl den falschen, zu wenig hitzebeständigen Kleber gewählt.“ Das mit dem Herz rührt die Mädchen, das mit dem Runterkommen irritiert sie: „Das ist eben der Unterschied zwischen einem Auszubildenden und einem Mitarbeiter: Die wissen es, wir wissen es noch nicht. Bei denen hätte es länger gehalten und das Herz wäre herzförmiger geworden“, scherzt der frühere Emil-Krause-Abiturient.
Eine gute Führung lebt von der Interaktion und daher stellt Navaron auch Verständnisfragen oder gibt Rätsel auf. Etwa nach dem größten Stromverbraucher beim Flugzeug: Nein, es ist nicht der Motor, der Fernseher oder die Klimaanlage. „Was ist dauerhaft in Betrieb und was trinkt man morgens?“ hilft der 22jährige. Genau, die Kaffeemaschine ist es. Aber der Guide erstaunt die Besucherinnen nicht nur, er hat auch Bewunderung für ihre Profilwahl übrig: „Warum habt ihr Physik gewählt?“ Weil es das beste Profil im Angebot war, gesteht Elly und weil man damit viele Chancen hat: auf aufregende Berufe und spannende technische Entwicklungen. Und spätestens im von den Elektronikern nachgebauten Flugsimulator springt der Funke über: jetzt einfach Platz nehmen, Knöpfe drücken und endlich abheben…










