In einer Nische angewandter Physik

Wenn wir es hier nicht verstehen, die Prinzipien vom Auftrieb und Widerstand interessant rüberzubringen, dann sind wir selber Schuld. Die spannende Nische angewandter Physik, die kann, ja, die muss man nutzen.
Christian Thieme, Entwicklungsingenieur Blohm + Voss

Christian Thieme, Entwicklungsingenieur Blohm + Voss: "Technik ist schwer. Da gibt es kein Wenn und Aber." Und wehe das funktioniert mal nicht, das Handy oder die Waschmaschine, dann wird erst einmal gemeckert

NaT: Herr Thieme, wie sind Sie zum Schiffbau gekommen? Ich habe da tatsächlich nicht viel überlegen müssen: Als Kind habe ich mit dem Modellbau angefangen, als Teenager das Jollensegeln – Boot, Wasser und Technik haben einen sehr großen Stellenwert in meinem Leben. Aber es war dennoch ein großer Schritt von Leipzig nach Rostock zu gehen – und es gab nur Rostock. In der Nähe von Mutti bleiben, das ging nicht.

NaT: Und Ihr Modell soll jetzt bei den Emil-Krause-Gymnasiasten Schule machen? Ich denke, ich hatte es damals in gewisser Weise einfacher. Zu meiner Zeit gab es nicht so viele Ablenkungen, kein Handy, kein Computer, nur drei Programme im Fernsehen und die mit Sendepause. Es war leichter, sich auf eine Sache zu fokussieren und die aus ganzem Herzen zu verfolgen. Die moderne Unterhaltungselektronik raubt Zeit, Aufmerksamkeit und Verbindlichkeit.

NaT: Sie meinen, die technische Entwicklung ist zu schnelllebig? Wenn ich Modellbau betreibe, muss ich mir Gedanken machen und es vernünftig machen. Mache ich einen Fehler und das Modell geht kaputt, muss ich Kosten, Zeitaufwand und Konsequenzen tragen. Und wer mag das schon, dabei noch bei Laune zu bleiben, konstruktiv daraus zu lernen und zu sagen, ich will es hinkriegen und mache es besser. Dann doch lieber die Reset-Taste und Control-Alt plus Delete drücken. Das ist heute sexy, aber das ist nicht das Leben.  

NaT: Merken Sie das auch bei Ihren Nachwuchskräften, das die Bereitschaft nachlässt, Verantwortung zu übernehmen? Technik ist schwer. Da gibt es kein Wenn und Aber. Und wehe das funktioniert mal nicht, das Handy oder die Waschmaschine, dann wird erst mal gemeckert. Aber dass die Waschmaschine zehn Jahre lang dreimal die Woche reibungslos funktioniert hat, wird dabei vergessen. Aber genau das bringt der Forscher und Entwickler: er baut etwas, was richtig gut funktioniert und auch noch bezahlbar ist. Das ist eine ganz eigene Sippschaft für sich.

 NaT: Welche Ziele verfolgen Sie mit der Kooperation? Die Schüler sollen jetzt einmal produzieren statt immer nur zu konsumieren. Sie sollen erfahren, welche Herangehensweise Früchte trägt und welche eher nicht. Sie sollen auch lernen, dass es nicht einfach ist, das Rad neu zu erfinden, weil es schon viele gute Ideen gibt. Schließlich darf auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Wenn wir es hier nicht verstehen, die Prinzipien vom Auftrieb und Widerstand interessant rüberzubringen, dann sind wir selber Schuld. Die spannende Nische angewandter Physik, die kann, ja die muss man nutzen.

 

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