Massive Veränderungen durch die Profiloberstufe – und eine Riesenchance

Ich bin überzeugt, dass die praxisorientierte Profiloberstufe unseren Schülern Inhalte und Erfahrungen vermittelt, die in der Zukunft wichtig sind.
Jörn Krönert

Interview mit Jörn Krönert, Lehrer für Physik und Chemie am Emil-Krause-Gymnasium.

NaT: Wie sind Sie auf das Profilthema „Hamburg am Wasser“ gekommen?
Am Anfang steht da meist eine vage Idee, dann kommt die Suche nach Partnern intern und extern. Bei mir war da schon immer das Interesse an der Schifffahrt, am Hafen und am Segeln, auch wenn ich hierzu nur sehr gelegentlich in den Ferien komme. Als sich dann noch bei einer NaT-Jahrestagung Blohm + Voss vorstellte, da wusste ich sofort, das ist unser Partner!

NaT: Inzwischen hat sich die Lage auf den Werften leider sehr gewandelt. Wie geht Ihr Partner damit um?
Bei Blohm + Voss wird es in diesem Jahr einen neuen Eigentümer geben, aber alle mit denen ich zu tun hatte, gehen davon aus, dass die Kooperation bestehen bleibt. Das Interesse, qualifizierten Nachwuchs zu fördern und an das Unternehmen zu binden, ist nach wie vor groß.

NaT: Wie werden Sie von der Schule unterstützt?
Das Emil-Krause-Gymnasium hat die größte eigenständige Oberstufe Hamburgs, dazu noch als Aufbaugymnasium im Stadtteil Barmbek eine besondere Schülerschaft aus 40 Nationalitäten. Es stand von vornherein fest, dass wir mindestens ein naturwissenschaftliches Profil anbieten und dass dies auch stattfinden würde. Ich habe meine Idee zunächst den Fachlehrern für Geschichte vorgetragen, aber die hatten andere Pläne. Dagegen ergaben sich in einem Gespräch mit meiner Geographie-Kollegin Anke Krüger viele Berührungspunkte. Sie war gleich bereit in das Projekt einzusteigen. Dazu noch der Kollege Rammé für PGW – da sind einfach die richtigen Leute zusammengekommen. Für den nächsten Durchgang engagiert sich gerade unser Sportlehrer Matthias Klau, um das Segeln noch besser in das Profil einzubinden.

NaT: Und die Schulleitung?
Das Physik-Profil hat auch aufgrund seiner intensiven Vernetzung mit den außerschulischen Partnern eine besondere Rolle. Ohne Zustimmung und klare Unterstützung der Schulleitung könnte man so etwas nicht realisieren. Dazu kommen besondere Anliegen, wie etwa den Wunsch, das Umweltengagement unserer Schule auch im Profil abzubilden. So entstand die Idee, die Boote bei dem Abschlusswettbewerb im vierten Semester mit Solarenergie anzutreiben. Das hat uns dann leider ein wenig zurückgeworfen, denn wir mussten feststellen, die Modelle werden damit zu langsam und die Strömungseffekte, die wir messen wollen, treten nicht auf. Jetzt arbeiten wir wieder mit Batteriepacks. Man kann halt nicht allem gerecht werden.

NaT: Aber Sie haben neben Blohm + Voss auch noch andere Partner?
Sicher, die HPA (Hamburg Port Authority) unterstützt uns beispielsweise im zweiten Semester, wenn sich die anderen Fächer mit dem Strukturwandel im Hamburger Hafen und der Stadtgeographie, Schwerpunkt Hafen befassen. Der Praxisfaden soll sich durch die gesamte Oberstufe und alle Fächer ziehen. Insgesamt haben wir mit der NaT schon acht Partnerschaften und es dürfen gerne noch mehr werden. So hätte ich beispielsweise gern das Forschungszentrum in Geesthacht zum Thema Tsunami an Bord, da versuche ich gerade einen Kontakt herzustellen.

NaT: Wie geht es mit Ihrem Profil und dem Emil-Krause-Gymnasium weiter, wenn die Hamburger Schulreform kommt?
Die Hamburger Schulen und bei uns insbesondere die Oberstufe sind zurzeit massiven Veränderungen ausgesetzt. Unsere Schule wurde außerdem gerade zu einem der drei Standorte der neuen Stadtteilschule Barmbek. Aber wir sehen das nicht nur als Problem: Ich bin überzeugt, dass die praxisorientierte Profiloberstufe unseren Schülern Inhalte und Erfahrungen vermittelt, die in der Zukunft wichtig sind. Eines werden wir sicherlich auf keinen Fall tun: den Namen Emil-Krause ganz aufgeben. Er steht für eine vorbildliche Berufsorientierung und für bessere Bildungschancen aller Schichten. Genau daran wollen wir festhalten.

Hochschul- oder Kooperationsbericht: