Schiffbauerin aus Liebe zum Wasser und zur Mathematik

Ina Teutsch, 21, angehende Schiffbauingenieurin an der TUHH

Nat: Ina, Sie studieren Schiffbau an der TUHH im fünften Semester. Wie ist es dazu gekommen? Dass ich Mathe und Physik mag, habe ich erst in der Oberstufe festgestellt. Da hatte ich einen tollen Physiklehrer, der aus der Forschung kam und uns mit an die Uni genommen und über aktuelle Forschungsergebnisse informiert hat. Das war Physik zum Anfassen und eine Horizonterweiterung über das Schulfach hinaus. Dazu kam noch meine Liebe zum Wasser: Vielleicht liegt es daran, dass ich aus Süddeutschland komme, da sind Hafen, Schifffahrt und Meer schon etwas Besonderes. Der Studiengang Schiffbau erlaubt mir, meine Interessen und Neigungen optimal zu kombinieren. Nat: Sind Sie in Ihrem Fach als Frau eine Exotin? Nein, das empfinde ich nicht so. Ein Drittel der Studienanfänger in meinem Jahrgang sind schon Frauen und die Tendenz ist steigend. Nat: Wie ist das Studium aufgebaut? In den ersten Semestern ist das viel Theorie, etwa Mechanik, Konstruktionslehre, Werkstoffkunde. Wer keinen Spaß an Mathematik und Naturwissenschaften hat, ist hier sicher nicht richtig. Erst im fünften Semester geht es konkret darum, Schiffe zu planen, zu untersuchen und Modelle zu entwerfen. Dieses letzte Semester bestätigt mich endlich in meiner Studienentscheidung: Ich weiß jetzt, wozu die Grundlagen der ersten Semester gut waren und kann sie anwenden. Nat: Derzeit hört und liest man viel über die Krise im Schiffbau. Wie sehen Sie Ihre Chancen? Einer meiner Professoren ist schon Mitte 60. Er hat schon drei Krisen im Schiffbau durchgemacht und sagt, Flauten kommen und gehen. Ich sehe gute Chancen in der Entwicklung umweltgerechter und energieeffizienter Schiffe sowie beim Ausbau von Windenergie-Anlagen. Auch dafür werden Schiffbauingenieure benötigt. Nat: Was werden Sie nach dem Bachelorexamen machen? Ich werde noch den Master dranhängen. Ein Bachelor-Ingenieur hat erst die Grundlagen erlernt und ist meiner Meinung nach noch nicht voll ausgebildet. Nat: Was würden Sie Studienanfängern raten? Wie lässt sich die Eignung für ein Schiffbaustudium prüfen? Man muss nicht supergut oder hochbegabt sein, aber man braucht Disziplin. Ich würde empfehlen, sich möglichst direkt mit Studierenden der entsprechenden Fachrichtung auszutauschen. So bekommt man den besten Eindruck, was das Studium ausmacht und ob es zu den eigenen Interessen passt.