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„Es hat die Schüler gepackt“
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 21. Dezember 2011 - 12:32
Hilke Söhle, Lehrerin für Physik und Mathematik am Marion Dönhoff Gymnasium über ihre Erfahrungen mit dem NaT-Modul Medizintechnik
Hilke Söhle, Lehrerin für Physik und Mathematik am Marion Dönhoff Gymnasium hat das Medizintechnik-Modul von den Anfängen an mit geprägt. Es verläuft zweistufig: für die zehnten Klassen gibt es das Programm „Kräfte die im Körper wirken“ am Institut für Biomechanik der Technischen Universität und für die Profiloberstufe „Kräfte, die in Prothesen wirken“ an der Helmut Schmidt Universität. Am Marion Dönhoff Gymnasium wurde die Woche der Biomechanik aus organisatorischen Gründen eine Woche vor der eigentlichen Projektwoche der Schule durchgeführt. Die Folge: die Zehntklässler, die sich freiwillig für dieses Projekt anmeldeten, mussten den Unterrichtsstoff zusätzlich nacharbeiten. Wie das ankam, berichtet Hilke Söhle im Gespräch mit der Initiative NaT.
NaT: Frau Söhle, wie haben Ihre Schüler die Projektwoche „Kräfte, die im Körper wirken“ insgesamt bewertet? Sehr gut. Für den Einblick in den wissenschaftlichen Ingenieursalltag vergaben die Schüler im Schnitt die Note „1-2“. Das selbstständige Arbeiten, also das Benennen einer eigenen Problemstellung und die Beantwortung in der Gruppe benoteten die Schüler mit „2-3“. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass wir die Teilnahme freigestellt hatten und sich nicht nur sehr gute Schüler dafür meldeten, sondern auch solche, denen das selbstständige Arbeiten in der Regel schwerer fällt. Die beste Note hat aber Professor Morlock für seinen Eingangsvortrag bekommen. Das hat die Schüler sehr angesprochen, weil es gar nicht nur um Biomechanik allein ging, sondern auch um die Wissenschaft allgemein und weil die Schüler mit Fragen und Weiterführungen von Anfang an einbezogen wurden. Schließlich haben die Schüler positiv hervorgehoben, dass die drei Nachwuchswissenschaftler zu uns nach Blankenese an die Schule gekommen sind, um sich die Präsentationen anzusehen und zu bewerten.
NaT: Sie selbst haben auch sehr viel Zeit in das Projekt investiert. Warum? Zum einen fand ich das auch selbst spannend, weil etwa die Arbeit am Institut für Biomechanik für mich Neuland war. Zum anderen passt das Modul genau in unsere Schule, weil wir in der Oberstufe das Profil „Medizin und Technik“ anbieten, das die Fächer Physik, Biologie, Chemie und Philosophie integriert. Dass wir den ersten Teil des Moduls nun schon den zehnten Klassen anbieten, hängt mit dem Lehrplan zusammen und war zunächst eine Notlösung. Die sich dann doch durch den Werbeeffekt für das naturwissenschaftliche Profil als Synergieeffekt entpuppte.
NaT: Hat sich der Einsatz gelohnt? Ja, auf jeden Fall. Als ich die Begeisterung der Schüler nach dem ersten Unitag gesehen habe, war ich ganz erleichtert. Begeistert hat mich dann voll und ganz, wie einige Schüler in der Gruppenarbeit geradezu gepackt waren von ihrer Aufgabenstellung. Die wollten die eigene Fragestellung auch auf jeden Fall alleine beantworten.
NaT: Wieso erleichtert? Was hatte Sie im Vorwege belastet? Wir sind ja mit der Projektwoche außer Plan auch ein Risiko eingegangen. Die Schulleitung fürchtete, dass die Eltern uns Steine in den Weg legen würden, weil dadurch regulärer Unterricht ausfallen musste.
NaT: Und gab es Widerstände gegen das Projekt? Nein. Die Eltern haben gesehen, dass das eine Chance für ihre Kinder ist. Daher hatten wir auch so viele Anmeldungen, mehr als wir eigentlich berücksichtigen konnten. Aber letztlich hat das Institut dann doch ein Auge zugedrückt und wir konnten mit 31 Schülern teilnehmen. Wenn wir das im nächsten Jahr wieder machen, wäre es dennoch schön, wenn es in der Projektwoche stattfinden könnte. Alles was außer Plan läuft, ist im Schulalltag immer schwierig.
NaT: Was meinen Sie, was haben Ihre Schüler aus der Woche mitgenommen? Die Schüler haben methodisch ganz viel gelernt, sie haben sich eine eigene Fragestellung gesucht und diese in der Gruppe selbstständig umgesetzt. Bis auf eine Gruppe, wo wir Lehrerinnen eingreifen mussten, haben die Schüler das wirklich komplett allein durchgezogen und damit sicher ihre Studierfähigkeit erhöht und für das Leben gelernt. Der zweitwichtigste Aspekt ist aus meiner Sicht der Einblick in das Universitätsleben und die Ingenieurswissenschaft. Das können wir als Schule wirklich nicht leisten, dazu benötigen wir die externen Partner.
NaT: Sind Sie auch persönlich von den Ingenieurwissenschaften gepackt worden. Sie haben ja mit Physik und Mathematik Fächer, die auch außerhalb der Schule sehr gefragt sind? Mir war schon relativ früh klar, dass ich Lehrerin werden wollte und mit welchen Fächern, das war dann erst die zweite Entscheidung. Von daher bin ich an der Schule schon richtig: Der Umgang mit den jungen Menschen macht Freude. Ich begleite sie auf dem Weg vom Kind zum Jugendlichen, das ist eine schöne Aufgabe.
NaT: Danke, dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben.







