Mit Medizintechnik zwei Forschungsbereiche zum Wohle des Patienten verbinden

Interview mit Professor Dr. Michael M. Morlock, Leiter Institut für Biomechanik an der TUHH

Herr Prof. Morlock, wie funktioniert die Magnetresonanztomographie? Wie das Röntgen ist die MRT eine medizinische Bildgebungstechnik. Um sie zu erklären, müsste ich auf die Quantenmechanik zurückgreifen, das würde hier zu weit führen. Einfach zu verdeutlichen ist dagegen ihr Vorteil: Dank MRT gewinnen wir Informationen über das Körperinnere und dies im Unterschied zum Röntgen ohne schädigende ionisierende Strahlung.

Wofür nutzen Sie MRT? Wir erstellen damit dreidimensionale Modelle etwa der Knochen, Gefäße oder von Herz, Lunge oder Hirn. Diese Modelle dienen als Grundlage für die Simulation von Erkrankungen oder Behandlungen, und sie helfen bei der Implantation von Prothesen und Gewebestücken.

Welche Verfahren sind in der Medizintechnik zukunftsweisend? Ein gutes Beispiel ist das „Tissue Engineering“, ein Verfahren zur Behebung von Körperdefekten mit körpereigenen Zellen. Dazu werden im Bioreaktor Gewebeteile gezüchtet, welche die Funktion geschädigter Körperteile vollständig übernehmen können. Der Vorteil dieser körpereigenen Wartungs- und Ersatzprogramme liegt auf der Hand: Weder altern sie, noch werden sie durch den Körper bekämpft.

Sie sind Direktor des Instituts für Biomechanik – womit beschäftigt diese sich? Die Biomechanik versucht den menschlichen Körper und seine Prozesse aus mechanischer Sicht zu verstehen. Dabei ist dem Biomechaniker bewusst, dass psychische und physische Vorgänge, welche nicht direkt mit dem mechanischen Verhalten in Verbindung stehen, nur begrenzt in die Überlegungen einbezogen werden können. Ein großes Feld in der Biomechanik ist die Entwicklung und Optimierung von künstlichen Gelenken.

Was fasziniert Sie so daran? Mit der Biomechanik lernt man den eigenen Körper besser zu verstehen. Zudem ist zu befürchten, dass man selbst einmal im Alter oder nach einem Unfall um die Errungenschaften der Biomechanik nicht herumkommen wird.