Das Studium war nicht umsonst

Auf der Suche nach der Röntgensystemtechnik 2020
Wenn am Anfang des Bildungsweges ein großes Unternehmen sagt, "wir möchten gerne Sie", dann beflügelt das ungemein.
Christoph Kurze, Ingenieur Innovationsmanagement, Philips Medical Systems DMC GmbH

Christoph Kurze, Ingenieur Innovationsmanagement, Philips Medical Systems DMC GmbH, über die Qual der Berufswahl und den Kick, der ihn voranbrachte

NaT: Herr Kurze, Sie sind 27 Jahre jung und damit gar nicht so weit weg von den Abiturienten Ihrer Kooperationsschule. Wie ist Ihr Eindruck? Am Anfang waren die Schüler noch sehr verhalten; das löste sich, je mehr wir in den Arbeitsmodus kamen, dann wurde aus der Frontalveranstaltung doch noch ein Dialog. Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass die Schüler so einen Einblick in ein Unternehmen auch für sich persönlich nutzen. Ich hatte jedenfalls als Abiturient ein großes Fragezeichen im Kopf, was ich einmal machen möchte und die Chance, sich vor Ort einen Konzern anzuschauen, wäre für mich genau richtig gewesen. Die Vielfalt an Möglichkeiten nach dem Abitur kann ja auch erschlagend wirken.

NaT: Wie sind Sie damals mit der Freiheit umgegangen und zu einer Berufsentscheidung gekommen? Ich habe in Sachsen mein Abitur nach zwölf Schuljahren und dann den Zivildienst in einer Reha-Klinik gemacht. Die Geräte, die dort in den menschlichen Körper hineinschauten, fand ich super spannend und überlegte, den Medizinisch-Technischen Assistenten (MTA) zu machen. Aber die dort beschäftigte MTA hat mir den Spiegel vorgehalten, „du bist jung, du hast ein super Abi, warum studierst du nicht gleich Medizintechnik!“ Wie es der Zufall so will, gab es am Standort Bautzen ein Duales Studium Medizintechnik. Philips stand dort auf der Liste der beteiligten Unternehmen und weil ich in einen großen Konzern hinein wollte, habe ich mich nur bei Philips beworben. Aus irgendwelchen Gründen hat das dann auch geklappt und ich habe den Studienplatz bekommen.

NaT: Das hört sich jetzt sehr einfach an. Wie viele Bewerber wurden genommen? Es gab nur einen Studienplatz in Medizintechnik, ich habe mich im Assessment Center gegen neun Mitbewerber durchgesetzt. Ich denke, für meinen Berufsweg war das entscheidend: Wenn am Anfang des Bildungsweges ein großes Unternehmen sagt, "wir möchten gerne Sie", dann beflügelt das ungemein. Ohne diese Motivation wäre das Studium nur schwer durchzuhalten gewesen. Es bot auf jeden Fall nicht das, was viele unter dem Begriff Studentenleben verstehen.

NaT: Was machen Sie heute im Unternehmen? Ich bin jetzt im Bereich Innovationsmanagement beschäftigt, das ist die Schnittstelle zwischen interner Organisation, Forschung und Kunden. Es geht darum, die zukünftigen Produkte mit zu gestalten, das finde ich spannend. Gleichzeitig setzt man sich mit den Bedürfnissen der Kunden auseinander, für die ja schließlich die Lösungen entwickelt werden. Beispielsweise kommen in China sehr viel mehr Patienten auf ein Röntgengerät, da dauert das Hochfahren der Tische einfachl zu lang, so dass diese auf einer Höhe festgestellt sind und Patienten mit Stühlen oder anderen Hilfsmitteln darauf klettern müssen. Wir arbeiten daran, es für die Kunden komfortabler und dennoch effizienter zu machen.

NaT: Was benötigten Sie dafür an Fähigkeiten? Man muss in verschiedenen Sprachen kommunizieren, moderieren, Projekte managen können. Die Soft Skills stehen im Vordergrund. Es ist aber sehr schwierig, einen technischen Workshop zu moderieren, wenn man die Zusammenhänge nicht versteht. Ich benötige also auch Physik-, Mathe- und Technikkenntnisse. Das Studium war nicht umsonst.

NaT: Welchen Rat geben Sie den Abiturienten mit auf den Weg? Habt keine Angst vor Veränderungen. Ich sollte beispielsweise mein Studium bei Philips in Bautzen antreten, aber dann wurde der Standort geschlossen und ich musste nach Hamburg ziehen. Heute bin ich froh, dass es so gekommen ist. Es gibt nichts Besseres, als wenn man als junger Mensch einmal so richtig rausgezerrt wird. Hier im Unternehmen treffe ich ständig Menschen aus anderen Kulturen, dazu das ganze Spektrum aus Tüftlern, Entwicklern und Managern, die ich direkt ansprechen kann. Man lernt ständig dazu und auch das Unternehmen selbst wandelt sich rasant. Das ist ganz normal. Ich kann daher den Schülern nur raten, die Scheu abzulegen, auf andere zuzugehen sowie möglichst früh und viele Praxiserfahrungen zu sammeln.