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Profilwahl 2009: Die stärksten Motive und Erwartungen der Schüler
Verfasst von Deike Uhtenwoldt am 4. November 2009 - 20:27
Sehr gefragt: Praxisbezug, fächerübergreifendes Arbeiten und Kooperationen mit Unternehmen
Die Entscheidung für ein naturwissenschaftliches Profil ist eine bewusste Entscheidung für das profilgebende Fach und zugunsten späterer Berufschancen, so das Ergebnis einer Umfrage der Initiative NaT unter 156 Schülern, darunter 50 Mädchen, aus sieben Hamburger Gymnasien. Auf die Frage, was die Profilwahl mitentschieden habe, nannten die Jungen am häufigsten die Berufschancen und an zweiter Stelle das profilgebende Fach. Ähnlich, wenn auch umgekehrt die Mädchen: Bei ihnen dominierte das Profilfach noch vor den Berufschancen. Ausschlaggebend für die Wahl der Schülerinnen waren auf jeden Fall Inhalte: über 90 % gaben an, von dem Gesamtpaket und den Inhalten überzeugt worden zu sein. Das gilt ebenfalls für über drei Viertel aller Jungen.
Insgesamt liegt aber im Gesamtranking der wahlentscheidenden Motive die "spätere Studienwahl"noch vor dem überzeugenden Inhalt/Gesamtpaket. Eher weniger entscheidend das Motiv "Lehrerteam" oder der Mangel an Alternativen: "Es sind die wirklich Interessierten, die sich sehr bewusst für ein naturwissenschaftliches Profil entscheiden", kommentiert NaT-Geschäftsführerin Sabine Fernau die Ergebnisse der Schülerbefragung.
Ein naturwissenschaftliches Profil wählten Jugendliche, die sehr gute Vorkenntnisse und Interesse an Mathematik (90 Prozent der befragten Schüler wählten Mathe auf erhöhtem Niveau) und den Naturwissenschaften mitbringen. Sie versprechen sich von dem neuen Profil Kontakte zu außerschulischen Partnern, Praxiserfahrung und Horizonterweiterung - über die Grenzen ihres Faches hinaus: So unterstrichen die Schüler die Wichtigkeit der Kooperation mit Unternehmen, den Praxisbezug und das fächerübergreifende Arbeiten. Auffallend auch hier wieder die Erwartungen der Mädchen: Bei ihnen stand das fächerübergreifende Arbeiten sogar an erster Stelle und wurde von drei Vierteln der Befragten als wichtig eingestuft.
Diese Geschlechtsspezifik deckt sich mit den bundesweiten Ergebnissen aus dem "Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften". Die Studie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, kurz acatech, und des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) bestätigt, dass Frauen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich immer noch spezifische Hürden überwinden müssen: Dies gilt sowohl für die Studien- und Arbeitsbedingungen als auch für stereotype Vorstellungen und Zuschreibungen eigener Kompetenzen. Eine Lösung sieht die Studie in einer individuelleren Technikmündigkeit, die auch die gesellschaftliche Relevanz von Technik stärker herausstellt. "Dies ist für Mädchen bei der Ausbildung ihres Technikinteresses und bei der Studienwahl bedeutsamer als für Jungen", so Sabine Fernau.
Die NaT-Geschäftsführerin sieht die Arbeit der Initiative durch die Befragung bestätigt: "Vorher konnten wir gegenüber den Unternehmen immer nur für einen stärkeren Praxisbezug im Regelunterricht werben. Jetzt können wir nachweisen, dass wir den richtigen Ansatz verfolgen." Schlüsselerlebnisse, in denen Technik als interessant und herausfordernd erlebt wird, sind oftmals der Anstoß zu einer entsprechenden Laufbahn, wenn sie in Elternhaus und Schule weiter gefördert und vertieft werden, ermittelte auch das Nachwuchsbarometer. Die Initiative Nat ermöglicht Profiloberschülern diese Schlüsselerlebnisse in Unternehmen und Hochschulen - und trifft damit genau den Nerv der Jugendlichen. Allerdings dominierten in den Befragungsergebnissen der Initiative die Kooperationen mit Unternehmen vor den Hochschulen: "Zum Zeitpunkt der Befragung waren die Hochschulen für die Schüler noch gar nicht sichtbar. Das wird sich aber jetzt in der Praxis der Profiloberstufe ändern", erklärt Sabine Fernau.
Daher wird die Initiative an der Befragung von Pilotschulen festhalten: Befragt wurden Schulen, die sich schon sehr früh für ein naturwissenschaftliches Profil entschieden hatten und die sich regional und in der Ausrichtung ergänzten: Die Gymnasien Friedrich-Ebert, Grootmoor, Hamm, Rahlstedt und Ohmoor mit Physik-, Informatik- und Chemieprofilen; die Sankt-Ansgar-Schule mit einem Chemie- und Physik- sowie Matthias-Claudius mit einem Chemie-Profil.
*Mehrfachnennungen waren möglich

